Teil 1 - Die Geschichte des Kakaos

Über 4.000 Jahre zurück reicht die Herkunft des mittlerweile weit verbreiteten Kakaos. Mittel- und Südamerika gelten als Ursprungsgebiete der Pflanze. Hinter der kleinen Bohne verbirgt sich eine spannende Geschichte, die vom Zahlungsmittel über Genuss bis hin zum Heilmittel reicht.
Die ersten Funde
(3.500 - 3.300 v. Chr.)
Keramikgefäße aus Ecuardo, in welchen Reste von Kakao nachzuweisen waren, gelten bis heute als ältester archäologischer Fund.
Olmeken, Mayas & Azteken
(1.500 v. Chr - 1492 n. Chr.)
Verschiedene indigene Völkergruppen arbeiteten mit der nährstoffreichen Pflanze. Ein jedes auf seine Weise, mit seiner Zubereitungsform. Und doch hatten die Stämme eines gemeinsam: Sie alle schrieben dem Kakao heilige Eigenschaften zu.
OLMEKEN
(1.500 v. Chr - 400 v. Chr)
Auf Scherben von Gefäßen wurde Theobromin nachgewiesen. Dieser Wachmacher-Stoff ist in Mittelamerika nur in Kakao zu finden. Nicht vollständig nachweisbar, wird somit vermutet, dass die Olmeken aus dem Kakao-Fruchtfleisch ein alkoholhaltiges Getränk für bestimmte Anlässe herstellten. Da der Völkerstamm Handel mit seinen benachbarten Kulturen betrieb, ist anzunehmen, dass so das Wissen über "cacao" an die Maya übermittelt wurde.
Wirkungsvolle Landwirtschaft, die Entstehung der Nixtamalisation (vereinfachte Zubereitung von Mais), erste feste Siedlungen sowie die Entwicklung des ersten Zahlensystems mit Null, des Kalenders und der Hyroglyphenschrift beschreiben diesen Zeitraum. Massiven Götterskulpturen aus Stein stehen bis heute für das Zeitalter der Olmeken.
Als erste bedeutsame Zivilisation Mittelamerikas bereiteten also die im damaligen Mexiko angesiedelten Olmeken mit "kakawa" - dem heutigen "cacao" - ihre heiligen Getränke zu.
MAYA
(1.500 v. Chr. - 1500 n. Chr.; Blütezeit 400 - 900 n. Chr.)
Auch die Maya schrieben dem "kakaw" göttliche Eigenschaften zu. Die indigene Hochkultur verehrte ihre Naturgötter besonders.

Für sie galt Kakao als Hüterin heiliger Weisheiten und Kraft an.
Sie mahlten die Bohnen zu einer Paste und vermischten sie mit Wasser, Chilli und gelegentlich Honig und Nüssen. Weitere Gewürze waren überwiegend einheimische wie Mais, Piment und Paprika. Da zumeist nicht gesüßt wurde, blieb der bittere, sehr herbe Ursprungsgeschmack der Bohne erhalten. Sie bereiteten die Pflanze als Getränk (der Schaum galt als besonders köstlich) zu oder nutzten diese als Gewürz für Speisen. Um den leckeren Schaum herzustellen, wurde der fertige Kakao aus einem höheren Gefäß in ein anderes gekippt.
Bis heute existieren noch über 1.000 Maya-Kakao-Rezepte, wie z.B.:
Heiliges Getränk der Lacandón (aus Mexiko): Die Frau des Zeremoniemeisters röstet & mahlt die Kakaobohnen in der Kochküche neben dem Gotteshaus auf dem Stein "Metate" (nicht mit einer Handmühle). Sie mischt das Gras "aak" unter und schlägt alles mit einem Holzstab auf. Schaum bildet sich. Zuletzt mischt sie Wasser hinein, seiht die Flüssigkeit ab und gießt den fertigen Kakao in Schalen. Diese enthalten "balché" (rituelles Met) oder "sak ha" (Maisgrütze).
Weltliches Getränk der Lacandón (aus Mexiko): Ein Stück "suquir" wird aus einer Rebe geschnitten, um im späteren Verlauf den köstlichen Schaum daraus zu erzeugen. Die Flüssigkeit wird mit Wasser vermischt. Der weiche Teil des "suquir" wird mit zuvor fermentierten, getrockneten, gerösteten und geschälten Kakaobohnen und geröstetem Mais gemahlen. Dieses Gemisch wird dem Wasser hinzugefügt, erwärmt und mit einem Holzquirl aufgeschlagen. Der entstandene Schaum wird abgeschöpft und auf Maisgrütze gegeben. Nach diesem Verzehr wird im Anschluss die fertige Kakaoflüssigkeit getrunken.
Batido (aus Guatemala): Das Pulver aus gemahlenen Kakaobohnen wird mit lauwarmem Wasser gemischt und mit der Hand zu einem Brei verrührt. Gewürze wie Vanille, Achiote, Ohrenblume oder gemahlene Sapotillkerne werden hinzugefügt. Ein Teelöffel des Breis wird mit heißem Wasser vermischt und fertig ist das Getränk.
Lediglich die Eliteklasse durfte Kakao verzehren. Dazu zählten Könige, Priester und Krieger, welche vor einer bedeutsamen Schlacht standen. Um 300 n. Chr. stieg der Wert der Bohne sogar so weit an, dass sie bei den Maya und folgenden Azteken als Zahlungsmittel galt.

Der Gebrauch von Kakao spiegelte sich auf Wandzeichnungen, in Schriften und an Gefäßen wider. Während die Maya ursprünglich in den Hochländern von Guatemala und Chiapa lebten, wanderten sie über die Jahre in das Tiefland bis zu ihrer Besiedlung von Yucatán. Zu Zeiten der Maya entstanden erste politische, intellektuelle und urbane Strukturen, sowie Architektur und Kunst. Teotihuacan, Cholula und Monte Alban zählen zu markanten Stätten. Erstere galt als wirtschaftlich und religiös wichtigste "Stadt der Götter". Sie beheimatet die weltweit drittgrößte Pyramide, die "Pirámide del Sol". Trotz Distanz der jeweiligen Völkerniederlassungen, war es die gemeinsame Religion, die die Gruppen zusammenhielt. Religion hatte damals einen engen Bezug zur Wissenschaft: Berechnung von Mondlauf & Himmelsereignissen, Kalender, Riten.
Die Maya kultivierten vor allem Mais, Bohnen und den Kakaobaum. Ihre Hyroglyphenschrift ermöglichte ihnen, Wissen erstmalig niederzuschreiben. Sie bestand aus Zeichen für Silben und Zeichen für Bedeutungseinheiten. Kakao wurde als eine Art Fisch Zeichen geschrieben. 800 - 900 n. Chr. brachen viele bedeutsamen Zentren zusammen, weshalb die Maya-Ära sich dem Ende neigte. Vereinzelte Kulturgruppen, welche sich erhielten, richteten mächtige Städte z.B. in Yucatán (Ucmal, Kabah) und im Landesinneren von Chichén Itzá auf.
Exkurs: Ca. 9.000 - 11.000 n. Chr. lebten die Tolteken in Mittelamerika. Sie nahmen einzelne Mayagebiete ein, welche sich bekämpften und deren Herrschaft letztendlich von den Azteken übernommen wurde.
AZTEKEN
(1300 n. Chr. - 1500 n. Chr.; Blütezeit 1428 bis 1519)

Vor allem das Aztekenreich verwendete die getrockneten Bohnen als Zahlungsmittel. Weder Wert noch Menge, Gewicht oder Umfang berechneten die Azteken. Sie kannten keine Waage und ordneten ihr bis 20 reichendes Zahlensystem immer nach Stückzahl. Während der spanischen Herrschaft um 1545 entsprachen 100 Kakaobohnen dem Wert eines Hasen. Für 1 Kakaobohne bekam man 1 Tomate. Auch die Azteken schrieben der Pflanze in Religion und Ritualen göttliche Eigenschaften zu. Schokolade symbolisierte ebengleich Blut und Kakaofrucht und -baum finden sich auf vielen Abbildungen und Darstellungen wieder. Nach wie vor war der Verzehr dem Adel überlassen.
Vorzugsweise als Paste, vermengt mit warmem Wasser und Gewürzen wie Vanille, Honig, Chilli, gemahlener Mais, Achiote, verschiedene Blumen (gemahlen & getrocknet), Piment oder gemahlene Körner wurde "xocólatl" (bitteres Wasser) als Getränk zubereitet.
Zudem wurde Kakao vielen Gerichten hinzugefügt. Ähnlich den Maya, galt der Schaum auch bei den Azteken als Köstlichkeit und wurde ebenfalls durch das Ausgießen des Kakaos aus einem höheren Gefäß erzeugt. Jedoch genoßen die Azteken den Kakao als kaltes Getränk - gerne auch nach einer Mahlzeit.
Im Gegensatz zu den Maya besaßen die Azteken keine eigenen Anbaugebiete. Sie waren auf den Kakaohandel mit ersteren angewiesen, weshalb der Grenzbereich zwischen Mexiko und Guatemala von großer Relevanz zehrte. Riesige Kakaolager in der Hauptstadt Tenochtitlán beherbergten das wertvolle Gut. Die rituell geprägte Adel-, Bürger- und Priester-Kultur opferte täglich einen Kriegsgefangenen an ihren Stammesgott, um die Welt vor einer großen Katastrophe zu bewahren. Neben Kriegern existierten Fernhandelskaufleute, welche den Kakao importierten. Mit der Eroberung der Spanier 1519 - 1521 endete das Aztekenreich.
Wie Kakao nun seinen Weg nach Europa fand, folgt in Teil 2....

Quellen
Homorg finest food - Schokoladen Magazin (2026): https://www.theobroma-cacao.de/wissen/geschichte
GOODMOODFOOD (2024): Rohkakao Hintergrundwissen - Wissenswertes über Kakao (23.09.2024)
MORUGA CACAO (2025): https://morugacacao.com/blogs/kakao-zeremonie-guide/die-welt-der-kakaozeremonien-und-mogliche-nebenwirkungen?srsltid=AfmBOoqlKTsO7Ns394NF3kOotEhZS0pN9bvZ9D9q2fenmfoXv4ijCzGt (07.02.2025)
SUYANA (2024):Kakao als Superfood · Alles für deine Kakao Zeremonie: Räucherwerk und spirituelle Tiefe | Suyana (23.09.2024)
THEOBROMA CACAO (2024): Geschichte: Schokolade bei den Maya | Theobroma Cacao Magazin(23.09.2024)
VENCHI (2024): Kakaopflanze: Ursprung und Merkmale - Venchi (23.09.2024)





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